was am Ende zählt

Meine Zeit geht dahin, und für kein Geld der Welt kann ich sie aufhalten. Wohl aber weise nutzen.

Zeit ist das Einzige, das ich nicht zurückbekomme. Deshalb lohnt die Frage, wofür ich sie verwende … und wofür nicht.

Ich wünsche dir Zeit

Elli Michler hat in ihrem bekannten Gedicht „Ich wünsche dir Zeit“ beschrieben, was die meisten von uns am wenigsten haben: Zeit zum Lachen und Staunen, Zeit zum Verschenken, Zeit, zu sich selbst zu finden … und Zeit zum Leben. Nicht die Zeit, die wir nur vertreiben oder auf der Uhr verfolgen, sondern die, die uns übrig bleibt.

Reduce to the max

Minimalismus heißt für mich, mich auf das zu konzentrieren, was ich wirklich brauche und was mich glücklich macht. Gleichzeitig bedeutet er mehr freie Zeit. Ich nenne es mein „Ent-lein“:

  • Ent-rümpeln
  • Ent-schleunigen
  • Ent-spannen

Was mich ein Ding wirklich kostet

Wenn ich etwas kaufe, bezahle ich nicht nur mit Geld. Ich bezahle mit Lebenszeit, oft mehrfach:

  1. Ich verdiene das Geld dafür.
  2. Ich suche aus, beschaffe und nutze es.
  3. Ich schaffe Platz dafür und trenne mich von Altem.
  4. Ich entscheide, was bleibt und was geht, und sortiere aus.
  5. Ich suche jemanden, der es noch gebrauchen kann, und übergebe es … oder werfe es weg, obwohl es noch gut ist.

Jeder dieser Schritte kostet kostbare Lebenszeit.

Und jedes Ding, das ich kaufe, bedeutet auch:

  • den Verbrauch von Ressourcen, zum Teil aus Raubbau
  • den Verbrauch von Energie
  • sofern nicht fair produziert, die Finanzierung ausbeuterischer Arbeit
  • bei tierischen Produkten fast immer die Finanzierung von Tierleid
  • sofern es nicht kompostiert oder wirklich recycelt wird, Müll

Was Sterbende am meisten bereuen

Die australische Palliativpflegerin Bronnie Ware hat viele Jahre Menschen in ihren letzten Wochen begleitet. In ihrem Buch „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ fasst sie zusammen, was sie dabei immer wieder gehört hat:

  1. Nicht das eigene Leben gelebt zu haben, sondern eines, das andere erwartet haben.
  2. So viel gearbeitet zu haben und dabei die Kindheit der eigenen Kinder und die Nähe des Partners verpasst zu haben.
  3. Die eigenen Gefühle nicht ausgedrückt zu haben, um Frieden mit anderen zu wahren.
  4. Den Kontakt zu Freunden verloren zu haben.
  5. Sich nicht erlaubt zu haben, glücklicher zu sein. Viele erkannten erst am Ende, dass Glück eine Entscheidung ist und sie zu lange in alten Mustern und Gewohnheiten stecken geblieben waren.

Wenn ich diese fünf lese, erkenne ich darin fast das ganze Buch wieder: mein eigenes Leben leben, gut zu mir sein, meine Gefühle zeigen, in Verbindung bleiben … und mir erlauben, glücklich zu sein.

Die Frage, die bleibt: Was würde ich heute anders machen, wenn ich wüsste, wie wenig Zeit mir bleibt?

Wie wäre es?

Wie wäre es, wenn ich nicht mehr an mir herumnörgeln, sondern mich ganz ungeniert gut finden würde, so wie ich gerade bin? Wenn ich beim nächsten Problem nicht den Kopf in den Sand stecke, sondern frische Luft schnappe? Wenn ich in einer Niederlage die Vorbereitung auf ein größeres Gelingen sehe? Wenn ich den Menschen, die ich liebe, sage, dass ich sie liebe … und denen, die mir nicht gut tun, keine Zeit mehr schenke? Wenn ich das Bild, das mir vorschwebt, einfach selbst male?

Vielleicht denke ich jetzt: Das ist doch nur Wunschdenken. Darf ich ruhig. Aber wer oder was hindert mich eigentlich daran, zu denken, was mir gut tut? Und wie gut darf es mir gehen, bevor sich das schlechte Gewissen meldet? Glaube ich insgeheim, dass ich für einen glücklichen Tag später eine dicke Rechnung bezahlen muss?

Eine Rechnung kommt tatsächlich. Aber nicht fürs Glücklichsein. Sie kommt, wenn ich so lebe, wie es mir nicht entspricht. Wenn ich meine Bedürfnisse verleugne, Dinge tue, die ich nicht tun will, Worte sage, die ich nicht meine, oder Gefühle übergehe, die kurz vor dem Platzen sind. Dann zahle ich doppelt: in jeder Minute, die ich so lebe, und später noch einmal, mit Erschöpfung, Verzweiflung oder einem Körper, der irgendwann streikt. Unzufriedenheit rechnet sich nie.

Die Hängematte. Einmal im Jahr lege ich mich in eine Hängematte, notfalls nur in Gedanken. Ich stelle mir vor, ich bin sehr alt und schaue leicht schaukelnd auf mein Leben zurück:

  • Woran erinnere ich mich mit Freude?
  • Was habe ich wirklich gern und mit ganzem Herzen getan?
  • Was ist unerledigt geblieben?
  • Wovon habe ich geträumt, mich aber nie getraut, etwas dafür zu tun?
  • Welcher Mensch wäre ich gern geworden?

Wenn ich mir diese Fragen stelle, solange ich noch etwas ändern kann, habe ich allen Grund zur Freude. Oft bewirken kleinste Veränderungen im Alltag Großes, zum Beispiel fünf schöne Gedanken am Tag.

Leben ist und bleibt der gefährlichste aller Zustände … und der schönste. Was soll schon passieren, wenn ich mich traue, meinen Bedürfnissen und Wünschen zu folgen? Im schlimmsten Fall werde ich glücklich.